Sozialpsycholgie – Anfänge und Entwicklungen
Die Sozialpsychologie bietet faszinierende Einblicke in die Dynamiken unseres Zusammenlebens. Dieser Beitrag beleuchtet die zentralen Elemente der Disziplin: von der historischen Entwicklung über die letzten 100 Jahre bis hin zu den entscheidenden Erkenntnissen klassischer Experimente, die bis heute als Meilensteine der Forschung gelten.
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Sozialpsychologie?
Die Sozialpsychologie definiert wie menschliches Denken, Fühlen und Verhalten von der Gegenwart – egal ob real oder vorgestellt – anderer Menschen abhängt. Somit ist sie die Wissenschaft von menschlichen Denken, Erleben und Verhalten im sozialen Kontext
Social psychology is the scientific attempt to understand and explain how the thought, feeling, and behavior of individuals are influenced by the actual, imagined, or implied presence of others.
Allport, G. W. (1985). The historical background of social psychology. In G. Lindzey & E. Aronson (Eds.), The Handbook of Social Psychology (3rd ed., Vol. 1, pp. 1–46). New York: Random House.
Oftmals ist der soziale Einfluss so stark, dass dieser sogar individuelle Unterschiede überlagert. Deshalb wird heutzutage versucht Attributionsfehler zu beachten. Also es soll das Verhalten nicht nur anhand von Persönlichkeitsmerkmalen beschrieben werden sondern ebenfalls basierend auf sozialen Kontext einngeordnet werden.
Forschungsgrundlagen der Sozialpsychologie
Die Sozialpsychologie scheint aktuell eher weniger „Theory driven“. Trotzdem werden Theorien nach den wissenschaftlichen Standards aufgestellt. Diese müssen also folgende Kriterien erfüllen:
- Empirischer Gehalt
- Widerspruchsfreiheit
- Falsifizierbarkeit
- Sparsamkeit
Die primären Forschungsmethoden sind hierbei:
Das Experiment: Hier werden Bedingungen gezielt manipuliert, um Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge unter kontrollierten Bedingungen nachzuweisen.
Die Beobachtungsmethode: Hierbei werden Verhaltensweisen in ihrem natürlichen Umfeld systematisch erfasst. Sie liefert wertvolle erste Einblicke, stößt aber an Grenzen, wenn es darum geht, das Warum hinter einer Handlung zu klären.
Die Korrelationsmethode: Forscher untersuchen hierbei den Zusammenhang zwischen zwei Variablen (z. B.: „Führt ein hohes Maß an Social-Media-Konsum zu geringerem Selbstwertgefühl?“). Wichtig ist hier: Korrelation bedeutet nicht automatisch Kausalität – nur weil zwei Dinge gleichzeitig auftreten, bedingt das eine nicht zwingend das andere.
Soziale Kognition
Wie wählt der Mensch seine Informationen aus? Wie interpretiert er diese und was führt zur Urteilsbildung oder auch der Entscheidung? Hinter einfachsten Prozessen, die wir tägliche viele Male durchlaufen steckt eigentlich viel mehr und es lohnt sich einzelne Teilprozesse zu hinterfragen.
Was ist Urteilen: Das Beschreibt einen psychologischen Prozess, wenn ein Mensch einem Urteilsobjekt einen Wert auf einer Urteilsdimension zuweist. Demnach muss vorher definiert werden über was der Mensch urteilen möchte und in welchen Umfang das geschieht. (Bsp: „Der Luftbalon dort ist schön oder?“)
Was ist Entscheiden: Der Prozess des Wählens zwischen mindestens zwei Optionen, mit dem Streben nach erwünschten Konsequenzen. Eine Entscheidung führt zum Entschluss und einer Handlung.
Struktur des Wissens
| Kategorie | Schema | Skript |
| (Vorgestellte) Objekte mit Gemeinsamkeiten bilden Kategorien | Übergeordnete Wissensstruktur, die Wissen über einen Teilbereich enthält. | Handlungsschema, das Abfolgen von Ereignissen beschreibt. |
Auch wenn Wissen nach bestimmten Strukturen vorliegt, nehmen wir dieses durch unsere Wahrnehmung bzw. Faktoren der Aufmerksamkeit unterschiedlich auf. Dies geschieht, weil wir jeden Tag einer Flut an Reizen ausgesetzt sind und aus diesen Selektieren müssen. Diese Auswahl erfolgt nach:
- Persönliche Relevanz
- Erwartungen
- Valenz (Negativem)
- Salienz (Auffälligkeit)
- Lebhaftigkeit
Nach diesen Kriterien verleihen wir Reizen individuelle Bedeutungen indem wir sie in interne Repräsentationen umwandeln und in Beziehung zur bestehenden Wissensstruktur setzen. Entscheidend dabei ist, wie zugänglich diese sind. Dafür geeignet sind häufig oder kürzliche verwendete Wissenskategorien.
Priming
Dieses Prinzip lässt sich einfach anhand eines Beispiel-Experiments erklären. Bei dem sogenannten „Donald-Experiment“. Hier wurden Zwei Gruppen gebildet (Gruppe A und B). Anschließend wurde Gruppe A eine Liste an positiven Begriffen gezeigt (Abenteuerlustig, mutig, selbstbewusst,…) und Gruppe B erhielt eine Liste mit negativen Wörtern (Eingebildet, Stur, …).
Nachdem beide Gruppen, die Listen gelesen haben, erhielten sie denselben Text über eine Person „Donald“. Dieser Text wurde ambivalent geschrieben. Diese Person sollte zum Schluss durch beide Gruppen bewertet werden. Hierbei stellte sich heraus dass Gruppe A Donald als angenehme und Gruppe B als unangenehme Person wahrgenommen haben.
Dieses Prinzip nennt sich Priming, also das beeinflussen der Wahrnehmung von Personen. Priming kann nach verschiedenen Vorbereitungen erfolgen:
- Semantisch (inhaltlich, bsp Professorin – Studentin)
- Konzeptuell (rein assoziativ, bsp Student – Uni)
- Affektiv (valent, bsp Spinne – eklig)
- Prozedural (Abfolge, bsp Aufwand und Wichtigkeit)
Diese Prozesse und generell Kognition können in zwei Arten ablaufen. Einerseits kann eine kontrollierte/bewusste Kognition vorhanden sein – Diese geschieht jedoch langsamer aber mit voller Absicht – oder eine automatische/intuitive Kognition – Läuft unbewusst und nicht intendiert ab.
Stimmungsmanipulation
Das Reflective-Impulsive Model (RIM)
Dieses Modell erklärt wie unser Verhalten durch das Zusammenspiel von zwei unterschiedlichen mentalen Systemen gesteuert wird.
| Das impulsive System | Das reflektive System |
| Basiert auf Assoziationen. Wenn ein Reiz wahrgenommen wird, aktivieren sich sofort Emotionen oder Handlungsmuster | Basiert auf Wissen und Fakten. Hier werden Informationen abgewogen |
| Sehr schnell | Langsam |
| Benötigt kaum kognitive Energie (Vorteilhaft unter Stress, Müdigkeit,…) | Benötigt viel Aufmerksamkeit und kogitive Kapazitäten. |
Gefühle und Verarbeitungsstil
Emotionen und Gefühle haben für uns verschiedene Funktionen. Diese können wichtig sein um das eigene Überleben zu sichern oder auch soziale Kompetenzen zu erweitern.
Eine Funktion von Emotionen ist die Signalwirkung. Also das Mitteilen ob eine gewisse Handlung oder Vorgang einen positiven oder negativen Effekt auf einen selbst oder andere hat.
Die zweite Funktion dient der Lenkung von Aufmerksamkeit. Dies dient zur besseren Verarbeitung der Umwelt und deren Einflüsse. Bspw Angst oder Stress kann zu besserer Konzentration und somit Aufmerksamkeit auf die aktuelle Aufgabe führen.
Als letztes dienen Emotionen auch zu Verhaltensänderungen. Besonders im sozialen Aspekt sind Emotionen dazu da um das Verhalten auf die soziale Situation anzupassen. Bsp im Umgang mit Freunden passen wir unser Verhalten an.
Zusätzlich gibt es noch verschiedene Verarbeitungsstile der Emotionen. Wenn eine Person eher in negativer Stimmung ist, verarbeitet man mentales eher reizgetrieben, analytisch und genau. Hingegen in positiver Stimmung eher kreativ oder nach Schemata durch vorhergehendes Wissen.
Personenwahrnehmung
Um ein Bild einer Person zu entwickeln, kombinieren/integrieren wir Informationen über diese. Dieser Vorgang wird auch als „Prozess sozialer Wahrnehmung“ beschrieben. Dabei beeinflussen uns
- Beobachtbare Merkmale
- Verhalten
- Eigene Voreinstellungen
Beim Verhalten der anderen Person beachten wir aber auch das nonverbale Verhalten. Dazu zählen Blickkontakt, Gesichtsausdruck oder auch Körperhaltung.
Aus all diesen Indikatoren treffen wir eine Beurteilung der anderen Person, jedoch machen wir oft den Fehler tendenziell eine Beurteilung anhand des ersten Eindrucks festzumachen. Dieser Effekt (Primateffekt) wird dann verstärkt, da wir beim ersten Eindruck ebenfalls versuchen unsere Wahrnehmung bestätigen zu lassen. Ebenfalls lassen wir uns manchmal auch anhand einer positiven Eigenschaft manipulieren. Das wird auch „halo-Effekt“ genannt.
Attributionstheorie
Personen schreiben den eigenen oder dem Verhalten anderer entweder
| Internale/dispositionale Ursachen zu (Charaktermerkmale, Einstellungen,…) | Externale/situationale Ursachen |
Im Gegensatz zum RIM oder TRA erklärt diese Theorie wie wir Ergebnisse im nachhinein bewerten.
Quellen
- Maestro Virtuale, 23.3.26, https://maestrovirtuale.com/de/Geschichte-der-Sozialpsychologie–Entwicklungsstadien-und-Hauptautoren
- Substack, 23.3.26, https://psychologyunpacked.substack.com/p/donald-priming-experiment-guide